orthodoxe Ostkirchen 2. Januar
Patronat: der Haustiere; für eine gute Ernte und ein gutes neues Jahr
Silvester, wohl gebürtiger Römer, erhielt um 300 die Priesterweihe, versteckte sich während der diokletianischen Christenverfolgungen in den Apenninen und trat sein Amt als römischer Bischof erst am 31. Januar 314 an, ein Jahr nachdem die römischen Kaiser Konstantin der Große und Licinius die christliche Kirche anerkannt und im Edikt von Mailand das Recht auf freie Religionsausübung im ganzen Reich gewährt hatten. Der Synode von Arles im selben Jahr blieb er fern, und auch auf dem wichtigen Konzil von Nicäa 325 ließ er sich vertreten. Die Verlegung der Reichshauptstadt nach Byzanz, dem späteren Konstantinopel, konnte er nicht verhindern.
So weit die historischen Tatsachen. Doch Legende und Wahrheit differieren bei Silvester besonders stark: Im 5. Jahrhundert wurde seine Rolle bei den einschneidenden, durch Kaiser Konstantin ausgelösten religionspolitischen Entscheidungen für das Christentum (»Konstantinische Wende«) maßlos überhöht und mit weiteren Erzählungen ausgeschmückt. So soll er Konstantin vom Aussatz geheilt und auf dem Totenbett getauft haben, was schon aus chronologischen Gründen nicht zutreffen kann. Auf dieser Legende basiert aber auch die »Konstantinische Schenkung«, eine gefälschte Urkunde aus dem 8. Jahrhundert, die zur Legitimation der Besitzansprüche und Herrschaftsrechte des Papsttums diente.
Silvester starb am 31. Dezember 335 und wurde in der Priscilla-Katakombe an der Via Salaria bestattet. Das Jahresende wird schon seit dem 5. Jahrhundert im ganzen christlichen Europa als Silvesternacht gefeiert und ist von einer Fülle des Brauchtums geprägt. Auch die Bauernregel weiß zum 31. Dezember allerhand und ist sich in zumindest einer Konsequenz einmal absolut sicher:
»Ist Silvester hell und klar, ist am nächsten Tag Neujahr.«
»Silvester Wind und warme Sunnen, wirft jede Hoffnung in den Brunnen.«
Darstellung: im Papstgewand
Attribute: Tiara, Kreuzstab (mit zwei oder drei Querbalken), Buch; Ochse (Legende von der Wiederbelebung eines toten Stieres durch Silvester); gefesselter Drache (Legende von der Überwindung eines Drachens in Rom; Sinnbild des Sieges des Christentums über den Götzendienst); Muschel (Symbol für die legendäre Taufe Kaiser Konstantins des Großen); Ölbaumzweig (Friedenssymbol)

Quelle: Herder-Verlag









