Filialkirche St. Josef - Sattelbach

 
Etwas zur Geschichte der Kirche St. Josef, Sattelbach
Die Sattelbacher, ob katholisch oder evangelisch, mussten zu jeder Jahreszeit und Wetterlage 4 km nach Lohrbach zur Kirche gehen.
Im Mai 1950 wurde in Freiburg gebeten, der Gemeinde eine Sonntagsmesse im Schulsaal zu gestatten. Genehmigt wurde zunächst nur ein Werkgottesdienst im Monat. Dieser wurde so gut angenommen, dass ab Herbst 1951 ein Gottesdienst am Sonntag und zwei werktags stattfanden. Lehrer Mattner baute am Sonntag liebevoll im Schulhof oder bei Schlechtwetter im Klassenzimmer einen Altar zur Messe auf. Der Platz reichte aber für die vielen Leute nie aus. Pfarrer Albrecht besaß kein Auto und wurde abwechselnd von den verschiedenen Sattelbacher Autobesitzern zum Gottesdienst abgeholt und zurückgebracht. Lehrer Mattner regte deshalb 1951 den Bau einer eigenen Kirche an. Pfarrer Albrecht unterstützte den Plan.
Ein Kirchbauverein wurde gegründet. Dessen zweiter Vorsitzender, Otto Röckel, stiftete das Grundstück, auf dem die Kirche steht.

Mit zwei Basaren und dem Verkauf von symbolischen Bausteinen zu einer Mark das Stück wurde durch viele fleißige Hände ein solider Grundstock für das Vorhaben geschaffen.
Als Architekt für die Planung wurde Stadtbaumeister Steinbach aus Mosbach beauftragt. Die örtliche Bauleitung wurde Architekt Anton Pichl aus Obrigheim übertragen. Der Bau sollte in rotem Sandstein ausgeführt werden, da dieser Stein auf unserer Gemarkung vorgefunden und schon seit Generationen in unserem Dorf zum Hausbau verwendet wurde. Der überwiegende Teil der Bruchsteine zum Kirchbau wurde in der Sattelbacher Klinge gebrochen und unter Anleitung von Sattelbacher Steinhauern bearbeitet. Die Gewinnung der Bruchsteine in der tiefliegenden Klinge für die Außenfassade der Kirche war äußerst schwierig,  mühselig und auch gefährlich. Geräte wie Kompressor, Bohrgeräte und Radlager zum Transport der Steine waren noch nicht vorhanden. Die gebrochenen Steine wurden auf Holztragbahren geladen, und von den jüngeren und stärkeren Männern auf den schräg gestellten Gehwagen zum Verladeplatz getragen. Dort wurden sie auf die Fuhrwerke, im Winter auf Schlitten, verladen, von den Bauern zum Lagerplatz des Kirchbaus gebracht und dort wieder von Hand abgeladen. Inzwischen wurden am Kirchenbauplatz der Mutterboden von Hand abgetragen und die Fundamente ausgeschachtet. Bis auf den Aushub des Sakristeikellers wurden die Wände des Sakristeikellers, Fundamente und Sockel bis Oberkante Betonboden der Kirche in Eigenleistung erbracht. Sehr viel Eigenleistung wurde auch im Zug der Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten als Helferstunden sowie bei der Herstellung der Außenanlage eingebracht. Die weiteren Rohbauarbeiten, ab Oberkante Schiffsboden, wurden nach Ausschreibung durch die Fa. Albert Gallian & Sohn ausgeführt. Die Grundsteinlegung wurde am 17. September 1953 durch Dekan Krämer vorgenommen.

Die Außenfassade wurde in Sichtmauerwerk in sog. Bossen ausgeführt. Die Hintermauerung erfolgte in Bimssteinmauerung. Verschiedene Waldbauern aus dem Odenwald wurden wegen Bauholz für den Kirchenbau angesprochen und zum großen Teil das Holz daraufhin gestiftet. Die Zimmererarbeiten wurden von der Fa. Bangert aus Limbach unter Beihilfe der Sattelbacher Männer ausgeführt.
Am Heiligen Abend 1953 wurde bei Regenwetter aufgeschlagen und Richtfest gefeiert.
Schon im Rohbau wurden Messen abgehalten. Die Leute mussten zwar noch stehen, aber endlich gab es genügend Platz. Die Fertigstellung des Turmes konnte wegen fehlender Steine zu Weihnachten 1953 nicht geschafft werden. Es mussten erst wieder Steine gebrochen werden. Inzwischen wurde, vermittelt durch Dekan Krämer, aus dem Kloster Bad Wimpfen eine Glocke als Leihgabe angeliefert. Sie hat an Weihnachten 1954 das erste Mal geläutet. Die Kirche wurde 1955 durch Missionsbischof Augustin Olbert geweiht.

Die Glocken der katholischen Kirche in Sattelbach

Die beiden Glocken für diese Kirche hatten eine ungewöhnlich wechselvolle Geschichte hinter sich: Eine Glocke war zuvor in der alten katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Lohrbach die einzige verbliebene Glocke, welche zwischen 1942 und 1953 zum Gottesdienst ertönte. Sie wurde 1926 in Kochendorf bei Neckarsulm für die Lohrbacher Kirche gegossen. Im Februar 1953 wurde in Lohrbach ein neues Geläut beschafft.

Die zweite Glocke wurde 1614 hergestellt und fand über Umwege nach Sattelbach. Sie hing ursprünglich in der katholischen Kirche in Steinkunzendorf im Kreis Reichenbach im Eulengebirge / Schlesien. Anschließend kam sie nach Salem - Mimmenhausen, wo sie 1955 durch eine Geläutneubeschaffung freigeworden war. Diese beiden Glocken wurden 1969 durch ein dreistimmiges Geläut abgelöst. Hierbei handelte es sich um die oben genannten, 1953 neubeschafften Glocken für die alte Kirche in Lohrbach, welche durch den Neubau der heutigen katholischen Kirche St. Paulus freigeworden waren. Alle drei Glocken wurden 1953 in der Gießerei Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg hergestellt und rufen noch bis heute zum Gottesdienst.

St. Josef Sattelbach Adresse
Kath. Kirche St. Josef
Muckentaler Straße
74821 Sattelbach
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