Pfarrkirche St. Josef

 
Das Wort "Kirche"

Das Wort Kirche stammt vom griechischen Wort "kyriakä" und heißt: "die dem Herrn gehörende".

Die Sankt-Josefs-Kirche ist eine neue Kirche. Sie wurde 1957 im Hammerweg geweiht als geistliche Heimat der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen in der Hammerwegsiedlung und im entstehenden Masseldorn.

Links neben dem Eingang steht das "Weihwasserfaß". Weihwasser erinnert an die Taufe. In der Osternacht wird es gesegnet. Beim Bekreuzigen mit dem Weihwasser erinnern wir uns an die Taufe mit der wir Kinder Gottes wurden. Das Erinnern ist eine Mahnung, den Alltag christlich zu gestalten, aber auch ein Zeichen, daß wir Gott vertrauen können.

"Frauen-" und "Männerseite"

Die Kirche hat noch aus der alten Tradition eine "Frauenseite" und eine "Männerseite". Die "Frauenseite" erkennt man am Altar der Schutzmantelmadonna, die den Fliehenden, den Obdachlosen und den Hungernden Schutz unter ihrem Mantel gibt. Bei der Weihe der Kirche vor über vierzig Jahren waren dies die aus den donauschwäbischen Siedlungsgebieten verjagten Menschen, die im benachbarten Lager Zuflucht und Wohnung und vor dem Altar Trost gefunden hatten.

Auf der anderen, der "Männerseite", sieht man eine Statue des heiligen Antonius. Er ist in der Kutte der Franziskanermönche dargestellt. Diese Mönche leben einfach und in Armut. Der Gründer des Ordens war vor fast achthundert Jahren Franz von Asissi.

Antonius hat das Christuskind auf dem Arm. Er ist der Heilige der Armen. An seiner Seite ist eine Sammelbüchse zur Speisung der armen Menschen durch das sogenannte "Antoniusbrot". Zum heiligen Antonius betet man auch, wenn man etwas verloren hat. Auch dieser Heilige schlägt einen Bogen zu den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen.

Die Sitzreihen sind durchnumeriert. Früher saßen die Schulklassen beginnend mit der 1. Klasse in der 1. Reihe auf ihren festen Plätzen.

Ein Galgen wurde zum Zeichen der Christen

An der Männerseite ist auch der Kreuzweg von Christus mit seinen 14 Stationen. Das Kreuz ist nichts anderes wie ein Galgen. Da Christus daran starb, wurde es das Zeichen der Christen. Beim Beten des "Kreuzweges" folgt man den Stationen des Leides von Christus von der Verurteilung durch Pilatus bis ins Grab. Mit dem "Kreuzzeichen" stellen wir uns unter dieses Kreuz: "Im Namen des Vaters", "und des Sohnes" "und des Heiligen Geistes", "Amen".

Kerzen als Symbol fürs Christsein

Überall in der Kirche stehen Kerzen. Die größte ist die Osterkerze. Kerzen sind ein Symbol für das Christsein. Sie bringen Licht in die Dunkelheit. Sie wärmen und verzehren sich dabei selbst. Auf der Osterkerze ist mit Nägeln das Kreuz dargestellt. Es finden sich auch der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabetes, "Alpha" und "Omega". Das heißt vom Anfang bis zum Ende.

Vier Stationen aus dem Leben des hl. Josef

Das Gemälde über dem Hochaltar zeigt vier Stationen aus dem Leben des Heiligen Josef, dem die Kirche geweiht ist. Auf dem Querband steht in lateinischer Sprache: "Du hast das Leben und die Arbeit geheiligt!"

Links oben fordert ein Engel Josef auf, vor den Häschern des Herodes zu fliehen. Rechts oben ist er mit Jesus und Maria auf dem Weg ins sichere Ägypten. Links unten ist die Beschneidung Jesu im Tempel dargestellt. Rechts unten sieht man Josef bei der Arbeit als Zimmermann in seiner Werkstatt.

Josef ist ein moderner Heiliger, ein Patron der arbeitenden Menschen. Er hat Maria und das Christuskind geschützt vor der Verfolgung durch Herodes. Deshalb wird er verehrt als der Helfer und Retter aus Not und Bedrängnis.

 Der Tabernakel ist der Ort, wo die heilige Eucharistie aufbewahrt wird. Er ist als erstes ein Tresor, der aber wertvoll gestaltet ist. In ihm wird die Eucharistie, das Allerheiligste, aufbewahrt. Darin ist der auferstandene Christus gegenwärtig. Der Tabernakel ist eine Silbertreibarbeit auf der die "Wunderbare Brotvermehrung" dargestellt wird. Man sieht die fünf Brote und die zwei Fische, mit denen Christus fünftausend Kinder, Frauen und Männer satt machte.

Neben dem Tabernakel findet sich eine kleine rote Öllampe, das "Ewige Licht". Die ständig brennende Flamme zeigt die bleibende Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Es ist ein "lebendes Licht", elektrische Beleuchtung ist nicht erlaubt. Es weist darauf hin, daß sich im Tabernakel das Allerheiligste befindet. In der Sankt Josefskirche ist es in der Krypta, dem unterirdischen Gebetsraum, weil dort die Eucharistie aufbewahrt wird.

Der Altar ist ein massiver Tisch. Er soll aus Stein sein. Auf ihm wird das Abendmahl gefeiert. Er ist der Tisch und der Thron des Herrn.

Im Altar sind Reliquien des hl. Kosmas

In den Altar eingelassen sind die Reliquien der Sankt -Josefs-Kirche. Unter Reliquie versteht man die sterblichen Überreste von Heiligen und von Gegenständen, die aus ihrem Besitz stammen. Es sind Erinnerungen an ein großes Vorbild. Die Reliquie im Altar zeigt die Verbindung zwischen Jesu mit allen Gläubigen. Sie erinnert, daß in der Zeit der Christenverfolgung der Gottesdienst oft in den Katakomben über den Gräbern von ermordeten Christen, von Märtyrern, gefeiert wurden. In der Sankt-Josefs-Kirche soll es sich um die Gebeine des Heiligen Kosmas handeln. Er und sein Zwillingsbruder Damian waren Ärzte aus Arabien. Sie setzten sich vorbildlich und selbstlos für Kranke ein. Der heilige Kosmas ist deshalb der Helfer bei Krankheiten. Da sie auch Heiden zum Christentum bekehrten, wurden sie während der Christenverfolgung in Rom zum Tod, zum Märtyrertod, verurteilt. Soldaten warfen Kosmas und Damian mit schweren Ketten gefesselt ins Meer. Ein Engel rettete sie. Man übergab sie deshalb dem Feuer, in dem sie jedoch unversehrt blieben und nicht verbrannten. Als man sie an ein Kreuz band, kehrten die auf sie abgeschossenen Pfeile und Steine zurück und erschlugen die Schützen. Schließlich wurden Kosmas und Damian enthauptet.

Symbole der vier Evangelisten

Am Ambo wird aus der Heiligen Schrift, aus den Evangelien, vorgelesen und gepredigt. Auf ihm sieht man die Symbole der vier Evangelisten, der Männer, die uns vom Leben Christi geschrieben haben. Der Adler steht für Johannes. Er soll der Lieblingsjünger von Christus gewesen sein. Da er ohne Schaden wieder aus einem Topf mit kochendem Wasser stieg, in den man ihn geworfen hatte, ist er der Helfer bei Brandwunden.

Für Markus steht der Löwe. Man sagt: seine Stimme erschallte wie die eines Löwen. Von ihm ist das kürzeste Evangelium. Als man nach seinem Märtyrertod seinen Leichnam verbrennen wollte, schlug ein Blitz ins Feuer. Markus hilft deshalb gegen den Blitz.

Der Stier, ein altes Opfertier, ist das Symbol von Lukas. Von ihm ist die "Apostelgeschichte". Er war Arzt und ist deshalb der Patron der Ärzte. Der Menschenkopf ist ein Engel. Er ist das Symbol von Matthäus. Von ihm ist die erste Niederschrift des Lebens Jesu. Obwohl er einem damals verachteten Beruf angehörte, er war Zöllner der verhaßten römischen Obrigkeit, machte ihn Jesus zu seinem Jünger.

Kirchenfenster erzählen von Begegnungen mit Gott

Die Kirchenfenster in der Sankt Josefskirche sind Glasarbeiten des donauschwäbischen Künstlers Josef de Ponte. Sie erzählen alle von Menschen, die irgendwann in ihrem Leben Gott begegnet sind. Ihr Leben hat sich daraufhin von Grund auf geändert. Der bunte Bogen der Geschichten aus der Bibel spannt sich im Hauptschiff von Abraham, der vor viertausend Jahren seine Schafe weidete, bis zu Saulus, der nach dem Kreuzestod von Christus lebte. Er wandelte sich durch Gott vom Verfolger der ersten Christen zum heiligen Paulus. Man sagt, er habe bei der Hinrichtung des heiligen Stephanus die Kleider der Henker bewacht. Dann aber trug er das Christentum in die Welt.

Die Glocken im Turm

Im Turm hängen vier Glocken. Sie sind aus Metall und werden von innen mit einem Klöppel angeschlagen. Sie haben drei Aufgaben. Sie laden ein zum Gottesdienst, sie sind das Signal, daß etwas Wichtiges geschieht. Deshalb wird die Glocke bei der Wandlung geläutet oder wenn jemand gestorben ist. Als Drittes dienen sie als Instrument zur Warnung bei Brand und Gefahr.

Die Sankt-Pirmin-Glocke wiegt 1.250 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 123 Zentimeter und klingt im Ton e. Die Sankt-Maria-Glocke: 860 Kilogramm, 110 Zentimeter, Ton fis, Sankt-Cäcilia-Glocke 650 Kilogramm, 98 Zentimeter, Ton a, Sankt-Josef-Glocke 460 Kilogramm, 86 Zentimeter, Ton cis.

 
 
Im Innern von St. Josef 
(Von Michael Gutbier)

Lassen Sie sich ein auf einen virtuellen Rundgang durch die St.-Josefs-Kirche, wie sie sich nach den Umbaumaßnahmen Mitte der achtziger Jahre heute präsentiert. Die Wandgemälde wurden dabei nicht restauriert. Fenster, Decke und Beleuchtung wurden vollkommen erneuert.

Betreten wir die Kirche durch den rechten Haupteingang.


Wir erblicken ein langes Schiff, das auf der linken Seite vom Marienaltar, auf der rechten von einer Statue des hl. Antonius von Padua begrenzt wird. Im Chorraum erkennt man ein großes Wandgemälde, darunter den Tabernakel, den Altar und den Ambo.

 

Gehen wir einig Schritte weiter in die Kirche hinein. Die bunten Glasfenster spenden dem großen Schiff ausreichend Licht. Auf der rechten Seite erkennt man den gemalten Kreuzweg. Zweimal vierundzwanzig Bankreihen bieten ausreichend Platz für die Gottesdienstbesucher.


Schreiten wir auf dem roten Teppich weiter voran, bis wir an der Stufe, die in den Chorraum hinaufführt, ankommen.


Zwei große Kommunionbänke aus Marmorplatten,die vor dem 2. Vatikanischen Konzil noch ihre Daseinsberechtigung hatten, "trennen" das Schiff vom Chorraum. Nun kann man das Gemälde an der Stirnseite des Chors gut erkennen. Es zeigt in der Längsachse den Patron der Kirche, den hl. Josef und Jesus in jungen Jahren. Der Spruch:" + SANCTIFICASTI + VITAM ET LABOREM" in der Querachse bedeutet: "Du hast Leben und Arbeit geheiligt." Dieser Satz fasst wie kaum ein anderer die Lebensgeschichte des hl. Josef, aus der in vier Quandranten Szenen dargestellt sind, zusammen!

 

Unterhalb des Wandgemäldes befindet sich der Tabernakel, das Zelt Gottes, darüber spannt sich ein (unvollständiger) Regenbogen. Dieser Regenbogen ist das Zeichen der Parnerschaft mit unserer Parnergemeinde Zurite in Peru. In Zurite, das in der Nähe von Cuzco, der Hauptstadt des alten Inkareiches liegt, befindet sich ein ebenfalls unvollständiges Exemplar. Immer dann, wenn wir uns besuchen, nehmen die Besucher das Endstück mit auf die Reise, so dass während der Besuchszeit in der jeweiligen Kirche ein vollständiger Regenbogen zu sehen ist. 

Rechts neben dem Tabernakel steht das Kreuz, wenn wir uns vor ihm umdrehen und auf den Altar zugehen, erwartet uns dieser Blick in die Kirche:

 Auf der Empore thront die Orgel. Von uns aus gesehen links schlängelt sich der Kreuzweg an der Wand entlang. An ihn schließt sich hinten ein Beichtzimmer an. Auf der rechten Seite sind zwei Beichtstühle eingelassen, die heutzutage allerdings nur noch von den kroatischen Mitchristen genutzt werden. Kehren wir wieder ins Schiff zurück und setzen unseren Rundgang nach rechts hin fort.

Auf dem Weg zum Marienaltar haben wir einen guten Blick auf den aus Stein gearbeiteten Ambo. Er zeigt die vier Symbole der Evangelien: den Adler (Johannes)oben, den Stier (Lukas) links, den Löwen (Markus) rechts und unten den Engel (Matthäus).

Der Ambo ist der zentrale Ort des Wortgottesdienstes. Von ihm aus wird der Ruf vor dem Evangelium (Halleluja) und die Frohe Botschaft verkündet.

 

 

 

Bleiben wir vor dem Marienaltar stehen. Wir sehen als Wandgemälde eine Schutzmantelmadonna, die auf ihrem rechten Arm das Jesuskind trägt und mit ihrem linken den Mantel für alle Schutzsuchenden weit öffnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gehen wir zur Statue des hl. Antonius auf der anderen Seite. Wenn wir von dort aus den Blick in den Altarraum richten, sehen wir den Taufstein und hinter ihm die Osterkerze. Der Taufstein trägt die Inschrift: "ICH HABE DICH BEI DEINEM NAMEN GERUFEN * DU BIST MEIN".

    

 
Die Verehrung des hl. Josef im Wandel der Zeit

(von Pfarrer Leo Brenzinger)

Der hl. Josef mußte lange warten, bis er als Heiliger in der Kirche ernst genommen wurde. Die früheste Erwähnung des hl. Josef findet sich in einem Buch aus dem Kloster Reichenau um das Jahr 850. Seit dem 9. Jahrhundert nahm seine liturgische und volkstümliche Verehrung immer mehr zu. Sie wurde besonders gefördert von seiten der Franziskaner. Auch in Mosbach geht die Verehrung des Heiligen auf den Franziskanerorden zurück, deren Kirche und Hauptaltar auch dem hl. Josef geweiht waren. Der Franziskanerpapst Sixtus IV. führte 1479 das St.-Josefs-Fest in der Kirche ein. Knapp zwei Jahrhunderte später wurde der 19. März zum gebotenen Feiertag erklärt. Ein Vergleich mit dem römischen Kalender zeigt die Feier des Festes der Minerva, der Göttin der Handwerker, am 19. März.

Im Jahre 1870 wurder der hl. Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche erhoben. Dieser Festtag wurde bis zur Liturgiereform am 3. Mittwoch nach Ostern gefeiert. Schließlich führte Pius XII. zum 1. Mai 1956 das Fest des hl. Josef, des Arbeiters, ein, auf daß "der 1. Mai sozusagen die christliche Weihe empfange und nicht mehr Ursache von Zwietracht, Haß und Gewalttätigkeit sei ..., sondern zu einer Einladung an die moderne Gesellschaft, das zu vollbringen, was dem sozialen Frieden noch fehlt".

In einem Stiftungsratprotokoll vom 29. Juli 1956 steht der einfache Satz als Feststellung: "Die neue Kirche soll das Patrozinium St. Joseph, opifex, 1. Mai, erhalten." Es bot sich in Mosbach, wie in einigen anderen Pfarreien der Erzdiözese, den neueingeführten Festtag als Patrozinium zu wählen. Es wird eine ständige Aufgabe der Kirche bleiben, dem "sozialen Frieden" zu dienen, auch 30 Jahre nach Einführung des Festes.

Mit dem Festtag soll der hl. Josef geehrt, aber auch die Würde der menschlichen Arbeit bewußt gemacht werden. Josef hat als Handwerker gearbeitet und für seine Familie den Lebensunterhalt aufgebracht. Wenn auch die heutige Arbeit in unserer Leistungsgesellschaft sehr anders geartet ist als in der alten Welt, bleibt die grundsätzliche Bedeutung der Arbeit dieselbe. Möge der hl. Josef uns helfen, die Fragen der Arbeit heute zu erhellen und zu klären.

 
 
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St. Josef Mosbach Adresse
Kath. Kirche St. Josef
Hammerweg 26
74821 Mosbach
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