Ein kleiner Aufsatz über die “vorkirchliche” Geschichte der Kirchengemeinde Obrigheim
Lieber Leser, bitte vergib mir, wenn ich über diesen Zeitraum nicht so ausführlich schreibe, wie es eigentlich möglich wäre. Ich möchte nur einen kurzen geschichtlichen Einblick in unsere katholische Vergangenheit geben.
1371 bis zur Reformation
Die mir bekannten Daten aus dieser Zeit sind recht spärlich. Es gibt aus dieser und der davor liegenden Zeit nur wenig was ich hier schreiben kann. Außer - dass es bis dahin in Obrigheim eine selbstständige Pfarrei gegeben hat.
Die erste belegte Nachricht stammt von 1371. Eine Existenz einer Kirche in Obrigheim wird in diesem Jahr durch schriftliche Quellen belegt. Ebenso wird bereits damals Mörtelstein als Filiale von Obrigheim erwähnt.
Erst durch das Wormser Synodalbuch von 1496 erfahren wir mehr über die Kirche. Kirchenpatron ist der heilige Lambertus.In Folge wird die Obrigheimer Pfarrei durch Pfalzgraf Otto verliehen.
Von 1520 bis 1864.
In den Jahren um 1520 wurde die katholische Pfarrei durch die Reformation aufgelöst. Die Gemeinde Obrigheim durchlebte alle Wechselfälle der damaligen kurpfälzischen Religionspolitik. Bei der, 1707 abgeschlossenen Kirchenteilung wurde die Kirche und das Kirchenvermögen den Reformierten in Obrigheim zugesprochen.
Die noch vorhandenen Obrigheimer Katholiken wurden nach Neckarelz verwiesen. Die dortige Pfarrei übernahm die kirchliche Betreuung für Obrigheim. Einzig im Obrigheimer Rathaus durfte ein Gebetsraum (Oratorium) eigerichtet werden.
Bereits 1735 bemühten sich die Obrigheimer Katholiken wieder um eine eigene Pfarrei. Jedoch - ich muss an heute denken - scheiterte es an den nötigen Mitteln.
Die Obrigheimer Pfarrkirche
Aber Obrigheimer sind nun mal hartnäckig, wenn sie ein Ziel verfolgen. Aus einem Bericht des Erzbischöflichen Ordinariats von 1846 geht hervor, dass bereits 1832 an einer neuen Pfarrkirche gebaut wurde. Es wurden damals ca. 600 Gläubige in Obrigheim und Mörtelstein gezählt. Allerdings wurden Chor und Turm erst 1885 vollendet. Anlass, für die auf einmal vorhandenen finanziellen Mitteln war eine Schenkung des in Obrigheim geborenen Herrn “Geistlicher Rath und Decan” Metzger, Pfarrer in Hockenheim.
1864 wurde die Arbeit der Obrigheimer Katholiken mit der Errichtung einer eigenen Pfarrei belohnt.
Einbezogen in die Pfarrei St. Laurentius Obrigheim waren die Kirchenbezirke: Obrigheim, Mörtelstein, Neuburg und Kirstetterhof und Finkenhof. Die Erektionsurkunde zur Errichtung wurde am 21.01.1864 ausgestellt. Etwa 700 Katholiken hatte die Pfarrei Obrigheim in ihrem Gründungsjahr. Erster Pfarrer wurde der damalige Pfarrverweser Valentin Götzinger.
Soweit meine kleine Recherche. Sollte ich etwas Wichtiges vergessen haben oder irgendetwas nicht richtig sein, bitte ich um Nachsicht und um Nachricht. (Verfasser: Alois Roidl)
Glocken
Auch Obrigheim musste, wie viele anderen katholische Kirchengemeinden auch, den Ereignissen der Geschichte Tribut zollen. In Bezug auf unsere Glocken im Kirchturm sind hier in erster Linie die beiden Weltkriege verantwortlich. In beiden Weltkriegen wurden, bis auf die kleinste (St. Josefsglocke), alle Glocken eingeschmolzen.
Die Voraussetzungen für den Kauf neuer Glocken war erst 1956 geschaffen. Viele freiwillige Spenden der Bevölkerung machten dies möglich.
Beauftragt, drei Glocken zu gießen, wurde 1956 die Firma Gebrüder Bachert in Kochendorf.
Am 12. Oktober war es soweit. An diesem Tag wurden unsere neuen Glocken gegossen.
Laurentiusglocke: Sie ist die größte Glocke, mit dem Bild des Heiligen mit Rost und Kreuz. Aufschrift: “Steht fest im Glauben, bleibet in der Liebe.”
Marienglocke: Geweiht der Gottesmutter, trägt sie das Bild unserer himmlischen Mutter und Königin. Aufschrift: “Du bist uns Zeit und Weg zur Ewigkeit.”
St. Michaelsglocke: Das Bild des siegreichen Erzengels ziert diese Glocke. Aufschrift: “Halt alles Unheil von uns fern und führe uns zu Gott dem Herrn”
Am 27.10.1965 wurden die Glocken feierlich von der katholischen Kirchengemeinde abgeholt und am 28.10.1956 durch Dekan Krämer in Vertretung von Erzbischof Seiterich geweiht.
Auszug aus dem Bericht zur Obrigheimer Glockengeschichte, anlässlich des 50jährigen Jubiläums 2005, geschrieben von Karl-Heinz Neser.
Umbau und Erweiterung der Kirche
Es war einmal eine Zeit, da stieg die Katholikenzahl in Obrigheim stark an.
Bereits in den 60er Jahren dachte man in Obrigheim über einen Kirchenneubau nach. Immerhin hatte sich die Zahl der Katholiken von 540 im Jahre 1939 auf über 2300 bis Ende der 60 Jahre erhöht. Die vorhandene Kirche war zu klein.
Schwierigkeiten beim Geländeerwerb verzögerten den Neubau. Ein deutlich gewandeltes Bewusstsein gegenüber Natur und Umwelt veranlasste Erzbischöfliches Bauamt und Denkmalschutzamt von dem ursprünglich geplanten Abriss der alten Kirche und einen Neubau abzusehen.
Im Jahre 1980 wurde dann eine Kirchenerweiterung, einen Pfarrhausneubau und eine Erweiterung des Gemeindehauses (Pfarrsaal) in der jetzigen Form beschlossen.
Die Baugenehmigung wurde im Dezember 1981 erteilt.
Die örtliche Bauleitung für das Pfarrhaus hatte der Obrigheimer Architekt Volker Hoffmann, für die Kirche: Architekt Alois Feuerstein aus Neckarsteinach, mit der künstlerische Planung und Gestaltung wurde Gisela Bär aus Pfortzheim und Valentin Feuerstein aus Neckarsteinach beauftragt.
Leider stellte man bald nach Beginn der Bauarbeiten fest, dass die Fundamente der alten Kirche zu schwach und deswegen unterfangen werden mussten. Eine Verzögerung der Bauarbeiten war deswegen nicht vermeidbar.
Dies war jedoch die einzige Verzögerung in der Umbauzeit. Am 2. September 1982 konnte die Grundsteinlegung feierlich begangen werden.
Fast genau ein Jahr später, am 20.10.1984, wurde die neue Kirche mit der Feier der Heiligen Firmung zum ersten mal zu einem Gottesdienst benutzt.
In den Bilder ist unter anderem Pfarrer Hönig bei der Grundsteinlegung zu sehen. Ebenso ist der Grundstein abgebildet.
Orgel
Wie die Obrigheimer Katholiken wieder zu einer Orgel kamen, von Karl Heinz Neser
Im letzten Jahrbuch habe ich über die Schwierigkeiten berichtet, wie die Obrigheimer Katholiken vor 175 Jahren 1832 wieder zu einer eigenen Kirche gekommen sind. Der Weg war lange und nicht einfach, weil die finanziellen Schwierigkeiten für die politische und Kirchengemeinde damals sehr groß waren. Wegen des Mangels an Geld entstand damals auch ein sehr einfacher Bau und konnte zunächst auch kein Chorraum und auch kein Kirch- und Glockenturm verwirklicht werden, der schon von weitem auf eine Kirche aufmerksam macht und deren Geläut die Gläubigen zum Gottesdienst einlädt. Aus demselben Grund wurde von der Kirchenbehörde auch nicht die Anschaffung einer Orgel genehmigt; mehrere Anträge wurden abgelehnt.
In einem weiteren Schreiben an das Innenministerium – kath. Kirchensektion - in Karlsruhe vom 18.3.1833 machte der Kirchenvorstand deutlich, „dass eine Orgel nicht nur zur Verschönerung der inneren Einrichtung, sondern auch zur Erbauung und Belebung der Andacht und die Gottesdienstes beiträgt“ und dieses „wesentliche Stück“ in der Obrigheimer Kirche fehlt. Man schilderte nun alle Bemühungen, um günstig zu einer Orgel zu kommen. So erwog man zunächst die Möglichkeit, eine gebrauchte Orgel aus der ehem. reformierten Kirche in Epfenbach zu ersteigern, die von den Taxatoren auf 700 Gulden geschätzt worden war. Bei der Versteigerung sei aber mehr geboten worden – und dies erschien dem Kirchenvorstand „für ein altes Werk, wofür keine Garantie geleistet wird, zu hoch“. Deshalb ließ man sich von dem Orgelbauer Ostermann zu Heidelberg einen Kostenvoranschlag für eine neue Orgel machen; die veranschlagten 1000 Gulden sollte das Ministerium prüfen und „die hohe Genehmigung ertheilen“.1 Diese wurde aber nicht erteilt.
Einem Quittungsbeleg2 entnehmen wir, dass der Rechner der kath. Gemeinde Andreas Ludäscher im August 1833 ins badische Innenministerium – kath. Kirchensektion – nach Karlsruhe einbestellt wurde, um „sich über Angelegenheiten der Kirchengemeinde, insbesondere wegen Versehung des hiesigen Gottesdienstes und wegen Anschaffung einer Orgel und Beitrags zu den Kirchenbaukosten zu verwenden“. Über das Gesprächsergebnis liegt nichts Schriftliches vor, aber aus dem weiteren Geschehen wissen wir, dass auch er keine Genehmigung erreichte. Aus der Tatsache, dass er 4 Tage unterwegs war, können wir schließen, wie beschwerlich und zeitaufwendig in der Zeit der Postkutsche noch vor 175 Jahren das Reisen war.
Eigenmächtiges Handeln
Nun ging der kath. Kirchengemeinderat einen außergewöhnlichen Weg und schaffte eigenmächtig ohne Genehmigung eine Orgel an, die er aus Mitteln des Kirchenfonds auch bezahlte. Damit überschritt er natürlich seine Kompetenzen und handelte er sich natürlich einigen Ärger ein. Schon im November 1833 wurde dies den Behörden bekannt und wollte man eine Rücküberweisung an den Kirchenfonds3. Die Auseinandersetzungen über diese „Eigenmächtigkeiten“ zogen sich noch fast zwei Jahre hin. Aus den Akten erfahren wir, dass „der Rechner Ludäscher sich zwar gegen Rückersatz aus eigenem Beutel gedeckt habe, dass er sich von dem größten Teil der kath. Gemeindeglieder einen Revers ausstellen ließ, wonach sie jedenfalls die Kosten der Orgel aus Privatmitteln zu zahlen sich verbindlich machten, allein aus den Akten geht dieses nicht hervor“.
Schließlich wurde von der Regierung des Unterrheinkreises in Mannheim am 20. November 1835 verfügt, dass dem Kirchenfonds die Schuld „durch Umlage auf das allgemeine Steuerkapital ihrer Mitglieder bezahlt werde“5, also durch eine höhere „Kirchensteuer“, und dies 15 Jahre lang. Die Obrigheimer Katholiken hatten nun ihre Orgel, werden aber sicher über die höhere Steuerbelastung nicht erfreut gewesen sein.











